Biwa – 1000 Jahre klingendes Erbe japanischer Lauten
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Die Laute wurde im 7./8.Jh. über die die Seidenstrasse nach Japan eingeführt, wo sie – der chinesischen Bezeichnung p’i p’a entsprechend – biwa genannt wurde. Zunächst wurde sie nur im Hoforchester gagaku verwendet und hiess daher gakubiwa. Im 9.Jh. aber brachte ein japanischer Botschafter von seiner Chinareise nicht nur zwei kostbare Lauten, sondern auch drei instrumentale Solostücke zurück, die ursprünglich über die Seidenstrasse aus Persien nach China gelangt waren. Die Aufführungspraxis dieser Miniaturen – als „Drei Geheimstücke“ bezeichnet – ging über die Jahrhunderte zwar verloren, aber Abschriften erlauben auch heute noch eine klangliche Realisierung. Diese Musik muss aus einer globalen Perspektive von Musikgeschichte als unglaublicher Schatz mittelalterlicher Kunst verstanden werden.
Basierend auf diesen Instrumentalstücken wurde das gakubiwa mehrere Jahrhunderte später zu einem Begleitinstrument für das grosse Heike-Epos (Geschichten historischer Ereignisse vom Ende des 12.Jhs) umgestaltet. Das heikebiwa, wie diese Laute und das neue musikalisch anspruchsvolle Barden-Genre nun genannt wurde, wurde zum Vorbild für die reichen Erzähltraditionen Japans bis in unsere Zeit hinein. Die Tradierung ist allerdings prekär geworden mit nur noch zwei professionellen heikebiwa-Künstlern. HASHIMOTO Toshie ist die eine der beiden. In den letzten 12 Jahren führte sie das gesamte Heike-Epos (über 200 Stunden Musik) systematisch in Konzertreihen auf – eine Leistung, die in den letzten 600 Jahren nie erbracht worden ist. Im Dezember 2009 wird das letzte Konzert stattfinden, und ihre Teilnahme an der Schweizer Tournee soll dieses epochale Ereignis unterstreichen.
Im 16. Jh. entstand im Süden Japans, in Kagoshima auf der Insel Kyūshū, ein neues biwa-Genre: das satsumabiwa. Wie alle anderen biwa-Künste basiert es auf dem heikebiwa, weist aber eindeutig Einflüsse von Samurai-Ästhetik auf. Der Gesang ist betont männlich, und die Instumentaltechnik erinnert oft eher an den Umgang mit Schwertern als an das Spiel auf einer Laute mit Seidensaiten. Zu Beginn der Moderne (ab 1868) wurde das Instrument immer beliebter in Japan und ist heute wohl die weitest verbreitete biwa-Laute in Japan. ISHIDA Katsuyoshi, ein Angehöriger der ältesten und berühmtesten biwa-Bauer Familie in Tokyo, pflegt einen traditionellen satsumabiwa-Stil, der die alte Samurai – Ästhetik musikalisch aufs reinste verkörpert.
In den 1890er Jahren wurde auf der Basis der wachsenden Beliebtheit des satsumabiwa ein weiteres biwa-Genre geschaffen, das vor allem in Westjapan Verbreitung fand. Es stammt ursprünglich auch aus Kyūshū – aus Fukuoka, im Norden der Insel. Diese letzte Blüte japanischer Lautenkultur, das chikuzenbiwa, fasst musikalisch nun eigentlich die ganze biwa-Geschichte zusammen. Man findet in dieser Kunst Anleihen bei gagaku, beim heikebiwa und satsumabiwa. Das Charakteristische des Genres ist sein illustrativer Ausdrucksreichtum, der es möglich macht, auch ausserhalb Japans Hörer zu faszinieren.



