Anime aus der Perspektive der Japanischen Kunstgeschichte
Prof. Dr. Hans Bjarne Thomsen
Vorlesung FS 2010
Freitag 12.00-14.00
KO2-F-175
Rämistrasse 71
In den letzten Jahren erfreuen sind das Genre des japanischen anime (“animierter Film”) und manga (“Comics”) nicht nur in der westlichen Welt, sondern als weltweites Phänomen, zunehmender Beliebtheit. Ganze Gruppen engagierter Fans erfreuen sich nicht nur daran, sondern treten aktiv durch Konferenzen Blogs und Verkleidungen (das so genannte kosupure) mit den Charakteren und ihren Erschaffern in Interaktion. In jüngster Zeit wurden Museen geschaffen, die sich anime und manga widmen und die Studios eines Anime Regisseurs sind zu einer bedeutenden Touristenattraktion in Japan geworden.
In Mitten dieser weit verbreiteten Begeisterung begannen Wissenschaftler sich mit den kunsthistorischen Problemen von anime zu befassen, darunter führende Professoren der Japanischen Kunstgeschichte wie Tadashi Kobayashi, der die These aufstellte, dass eine direkte Verbindung zwischen anime, illustrierten Handrollen des 12. Jhs. Und Holzschnitten des 19. Jhs. bestünden. Anime wurden in gewisser Weise in den Themenkatalog der japanischen Kunstgeschichte integriert.
In dieser Vorlesung werden wir solche Thesen kritisch hinterfragen und uns einigen anderen kunsthistorischen Aspekten von anime mit Hilfe von Methoden und Theorien des Fachs zuwenden. Wir werden uns mit Fragen der Rezeption der Vergangenheit, dem Gebrauch von Medien und Techniken, Funktionen traditioneller Kunst und Architektur in anime, politische Verwendung von anime, seine Beziehung zum Westen, sowie auch Themen wie das Okkulte und Religionen (wie Buddhismus, Shintoismus und auch Christentum), die Verwendung von Raum und „material culture“, Beziehungen zu den Darstellenden Künsten, seine Verwendung als eine Form von „underground art,“ usw. befassen. Darüber hinaus wird das wichtige Verhältnis zwischen anime und manga sowie das Verhältnis zu ihren zeitgenössischen Entsprechungen im Westen untersucht.
Als primäres Referenzmaterial werden wir auf den beachtlichen Korpus von anime in Japan zurückgreifen; angefangen bei klassischen Werken wie Das Dorffest (1930), Der Affe Masamune (1930), Frühlingslied (1931), über Kriegspropaganda in Momotarō’s Seeadler (1942), die populären Arbeiten der Osamu Tezuka-zentrierten anime Industie, bis hin zur Gegenwart und den kritisch gewürdigten Arbeiten von Miyazaki Hayao, wie Mein Nachbar Totoro (1988), Kikis kleiner Lieferservice (1989) und Ponyo das verzauberte Goldfischmädchen (2008). Die junge Generation der anime Produzenten, wie z. B. insbesondere Satoshi Kon, Mamoru Oshii, und Katsuhiro Otomo, wird ebenfalls diskutiert und simultan zur Vorlesung wird außerhalb der Veranstaltungszeit eine Reihe von historischen und zeitgenössischen anime in einer gesonderten Übung gezeigt werden.
Hinweis: Die Vorlesung wird in Englisch gehalten. Die als Leistungsnachweis dienende schriftliche Prüfung am Ende des Semesters kann auf Deutsch geschrieben werden.

